Green Lens Naturfotografie

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Azoren: Pelagic und mehr

Die Azoren sind unter Ornithologen vor allem dafür bekannt, dass hier, vorwiegend im Herbst, viele amerikanische Vogelarten stranden. Obwohl die Inselgruppe zu Europa gehört, sind mittlerweile auf manchen Inseln mehr nearktische als paläarktische Vogelarten nachgewiesen worden. Zudem brüten auf dem Archipel mehrere endemische Taxa. Eine besonders große Bedeutung hat die Inselgruppe jedoch für Seevögel, die teilweise in großen Anzahlen brüten oder aber hier wichtige Nahrungsgründe vorfinden.
Auf einer knapp zweiwöchigen Reise im September 2013 konnten wir auf mehreren Bootstouren einen Eindruck von der Bedeutung des Seegebietes um die Azoren mit seinem einmaligen marinem Ökosystem gewinnen.
Vor der ersten Offshoretour war jedoch noch etwas Zeit, um das berühmte Feuchtgebiet in Cabo da Praia auf der Insel Terceira zu besuchen. Dort rasteten Anfang September schon die ersten nearktischen Limikolen: Amerikanischer Sandregenpfeifer, Sandstrandläufer, Graubruststrandläufer, Amerikanischer Goldregenpfeifer und Kleiner Schlammläufer suchten auf den Flächen nach Nahrung. Außerdem waren, bevorzugt in den Häfen der Insel, Rosenseeschwalben anzutreffen. Die Art hat auf den Azoren ihr weltweit bedeutendstes Brutvorkommen. Ein Großteil der Population war allerdings bereits in ihr Überwinterungsgebiet, das an der westafrikanische Küste liegt, abgezogen.

Von der Insel Graciosa aus starteten dann unsere ersten Bootstouren, die jeweils einen halben bis ganzen Tag andauerten. Drei Tage bei sehr unterschiedlichen Wetterlagen, sonnig und windstill bis hin zu starken Regenschauern und sehr frischen Winden, standen an. Die zahlenmäßig dominierende Vogelart in den Gewässern um die Azoren ist der Gelbschnabelsturmtaucher, der hier mit Abstand sein größtes Brutvorkommen hat. Aber es waren natürlich noch erheblich mehr Vogelarten zu sehen, die teilweise unserem Schiff folgten. Angezogen wurden sie von dem geruchsintensiven Gemisch aus Sardinen, Fischöl und weiteren leckeren Zutaten, dem sogenannten Chum. Dieses wurde extra ausgebracht, um einige der pelagisch lebende Vogelarten anzulocken. Wir konnten in den Gewässern um Graciosa unter anderem einige Große Sturmtaucher, einen Kapverden-Sturmvogel sowie einige Azorenwellenläufer in der Nähe unseres Bootes beobachten. Besonders groß war die Freude über die Sichtung von zwei Rußseeschwalben und einen Swinhoewellenläufer sowie eines Weißbauchtölpels. Außerdem stieß die Anwesenheit von mehreren Delfingruppen auf viel Begeisterung an Bord; insgesamt konnten wir drei Arten feststellen. Zudem gab es noch Einzelbeobachtungen von Unechten Karettschildkröten und Blauhaien. Insgesamt waren die drei Tage, die wir in den Gewässern um Graziosa verbrachten, sehr beeindruckend. Verglichen mit vielen anderen Meeresgebieten, bieten die nahrungsreichen Gewässer um die Azoren ein sehr ausgeprägtes marines Leben.

Der zweite Teil der Reise führte uns nach Santa Maria, der östlichsten Insel der Azorengruppe. Auch hier waren wieder drei Tage mit Ausfahrten geplant. Der Schwerpunkt sollte allerdings auf der Beobachtung von Walhaien liegen. Aufgrund zu kühler Wassertemperaturen waren die Tiere aber leider schon ungewöhnlich früh aus den Gewässer um Santa Maria abgezogen und so kam es zu keiner Begegnung mit den Tieren. Eine gewisse Entschädigung war dann aber die Sichtung von mindestens vier Pottwalen. Außerdem fanden wir uns unvermittelt inmitten einer Gruppe von etwa 20 Großen Tümmlern wieder, die für längere Zeit um unser Boot herum schwammen. Die Beobachtung von zwei Bulwersturmvögeln und einiger Madeirawellenläufer stellten den Schlusspunkt der Beobachtungen auf See dar.
Ein letztes Highlight war die anschließende Beobachtung eines Weißschwanz-Tropikvogels auf der Hauptinsel Sao Miguel, quasi während eines Zwischenstopps auf dem Rückweg nach Hause.

Von den Gewässern um die Azoren wurden und werden immer wieder pelagische Vogelarten gemeldet, die aus anderen Meeresregionen stammen. Beobachtungen wie die des Swinhoewellenläufers und des Weißbauchtölpels, und in früheren Jahren von Bermuda-, Trinidad- und Teufelssturmvogel, sind nur einige Beispiele. Weitere Touren wie diese werden folgen, sicher auch in andere Abschnitte der Meeresgebiete um die Azoren. Es kann davon ausgegangen werden, dass auf diesen noch weitere Arten entdeckt werden und sich so die Liste der nachgewiesenen Pelagen auf den Azoren noch verlängern wird.

Text und Fotos: Stefan Pfützke

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